Historische Überlieferung

Luga ist am 1. April 1920 aus Klein- und Großluga entstanden.

 

Kleinluga

 

Im und am Ort wurden frühgeschichtliche Funde gemacht. Nordwestlich des Ortes (ehemalige Ziegelei) wurden aus der mittleren Bronzezeit Vorratsgruben, Keramik, Mahlsteine u.a. entdeckt, die auf eine ausgedehnte Siedlung schließen lassen.

Auf einen altslawischen Ortskern aus dem 11./12. Jhd. stieß man beim Straßenbau zwischen Niedersedlitz und Kleinluga.

 

Kleinluga hieß früher u.a. auch Lug minor, Luzen (1377), Lußk (1443), Luskaw (1471), Lawschke (1501), was, aus dem Altsorbischen abgeleitet, kleiner Gras- oder Niederungsort bedeutet. Lug minor gehörte 1378 zum castrum Dresden und zinste dem Markgrafen, 1445 besaß Hans Marschalgk als Vasall des Kurfürsten "den Luschan" mit vier besessenen Mann, "angeslagen mit 2 Armbrusten und 2 spisen zu folgen". In dieser Zeit hatte auch das Bistum Meißen noch Lehen und andere Rechte, die es aber im Jahre 1453,

 

als der Bischof Caspar von Meißen das Dorf und Vorwerk Smollin (Schmölen) von Kurfürst Friedrich gekauft hatte, diesem überließ (mit solchen in Kauscha, Nöthnitz, Gaustritz und Rippien). Im Jahre 1471 wurde Hans "Munczer zu Lawenstein" mit "Lußkaw" belehnt (einschl. Erbgerichten), von dessen Söhnen es 1501 Stephan Alnpeck übernahm, der ab 1511 auch Lockwitz besaß. Von dieser Zeit an gehörte Kleinluga zum Rittergut Lockwitz (Oberlockwitz), ab 1554 auch mit den Obergerichten. Einige noch unmittelbar dem Amt Dresden zugehörige "Untertanen" gingen im Jahr 1624 ebenfalls auf Lockwitz über. Bis ins 19. Jhd. hinein hatte Kleinluga an das Rittergut Lockwitz Fronden und Dienste zu leisten und Geld und Naturalzins zu zahlen. Nach Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit gehörte es seit1856 zum Gerichtsamt, später Amtshauptmannschaft Pirna, ab 1922 Dresden.

 

Das Dorf war ein lockerer Rundweiler mit Blockflur (im Jahre 1900 45 Hektar). Die Häuser und Güter lagen zum Teil dicht aneinander gebaut um einen in der Mitte des Dorfes gelegenen kleinen Teich. Diese Anlage ist noch vorhanden (Teichplatz). Im Jahre 1547 hatte das Dorf fünf besessene Mann bei 3 3/4 Hufen, aber neun Häusler. Um 1843 gab es vier Bauerngüter, zwei "Gartennahrungen" und acht Häuslerwohnungen. 1880 hatte es nur noch zwei Bauerngüter (am Teichplatz) und zehn Häuser, teils mit Feldbesitz, von denen eines im spitzen Winkel der alten Dohnaer Landstraße (jetzt Alte Landstraße)/Lugturmstraße, also auf der Lughöhe steht. Den Vierseithof Nr. 9 baute der Besitzer um 1850 um. Dabei bezog er die frühere Schule aus dem 18. Jhd. mit ein, einen Lehmfachwerkbau, zum großen Teil noch als solcher erhalten. Neben dem Teich wurde 1883 von der Schule Großluga eine Luther-Eiche gepflanzt, die sich zu einem großen Baum entwickelt hat. Das Wasser erhielt das am Hang gelegene Dorf von der Lughöhe. Im 16. Jhd. gab es wegen des Hallborns Streit zwischen den Gemeinden Groß- und Kleinluga, der 1572 in einem Vertrag endete. Den Brunnen auf Kleinlugaer Gebiet nutzten nun beide Dörfer je zur Hälfte, indem das Wasser in zwei gleiche Röhren gefasst und geteilt und die Röhren für Großluga am alten Wassergraben, am Rande des Kirchsteigs gelegt wurden. In Großluga gingen von dem Dorfwassertroge Röhrenleitungen in die meisten Gutsgehöfte, die ihnen das benötigte Wasser zuführten. Die Wasserader am Hang von Kleinluga ist auch noch heute nicht versiegt.

 

Die Nöte, die die anderen Dörfer durchzustehen hatten, gelten auch für Kleinluga. Die alte Dohnaer Straße, die an Kleinluga vorbei über die Lughöhe führt und eine Verbindung über Dohna durch das Erzgebirge nach Böhmen herstellte, hat zu allen Zeiten dazu beigetragen, dass Kleinluga von den kriegerischen Ereignissen nicht verschont blieb. Sie spielte schon 1402 bei den Kämpfen um Dohna eine Rolle. Die Brücke über die Malte, die damals noch viel Wasser führte, "lyss marggraff Wylhelm nyderwerffen, das dy strase ... nicht mehr mochten gefahren und leggete dy stosse uff Pirna". Im Jahre 1683 zog das sächsische Heer, das zur Verstärkung der Österreicher im Kampf gegen die Türken nach Wien entsandt wurde, die alte Dohnaer Straße entlang. Aus dem Jahre 1706 (Nordischer Krieg) ist bekannt, dass die Einwohner, wie schon 1695, gegen die Einquartierung fremder Truppen in Standquartiere protestierten, dass sie aber abgewiesen und zu "Executionskosten" verurteilt wurden. Sie mussten außerdem mit zu der Kontribution von 6000 Talern beitragen, die verschiedene Dörfer an die Schweden entrichten mussten (auch Lockwitz). 1813 wurden von Truppenteilen der Verbündeten die Anhöhen bei Kleinluga besetzt und von dort aus ihr Vormarsch über Lockwitz und Torna durchgeführt. Es wird überliefert, dass der Lehrer aus einem Fenster der Schule gestürzt wurde, worüber ehemals eine Tafel Aufschluss gab, und dass die Einwohner in den Kellern Zuflucht suchten.

 

Im Kriege 1866 zogen die sächsischen Truppen an Luga vorbei nach Österreich.

Johann Gottlob Preußer ließ im Jahre 1819 die Straße vom Unteren Gasthof in Lockwitz zur Lughöhe begradigen und ausbauen und am Rande mit Kirsch- und Apfelbäumen bepflanzen. Kurz nachdem die alte Dohnaer Straße von der jetzigen Dohnaer Straße abgezweigt ist, steht links an der Straße eine alte steinerne Säule, die beiden Seiten mit einem eingemeißelten Falz versehen, die an der von der alten Dohnaer Straße abgewandten Seite zwei gekreuzte Schwerter zeigt: eine Jagdsäule aus der Zeit August des Starken.

 

1834 hatte das Dorf 83 Einwohner, deren Zahl bis zum Jahre 1871 auf 134, 1890 auf 145, 1910 auf 295 und 1919 auf 302 anstieg. Die Erwerbsquellen waren die Landwirtschaft, Handarbeit, Bauarbeit. Später nahmen drei Ziegeleien ihren Betrieb auf, die erste seit 1860. Um 1880 stieg der Anteil der nichtbäuerlichen Bevölkerung, indem Einwohner in den entstehenden Industriebetrieben des Elbtals arbeiteten.

 

Um die Jahrhundertwende zum 20. Jhd. wurden in Kleinluga (Steile Straße) die gleichen Mietshaustypen in offener Bauweise gebaut, wie sie in den südöstlichen Dresdner Vororten üblich waren. Das Dorf war durch die Jahrhunderte hindurch nach Dohna gepfarrt, jetzt nach Lockwitz.

 

Großluga

 

Der Name schrieb sich früher u.a. auch Luge (1321), Groß Luck (1378), Gros-Luga (1547) und bedeutet aus dem Slawischen abgeleitet Ort mit feuchter Niederung, Siedlung im Sumpfgebiet, was mit dem wasserreichen Gelände in Richtung Sporbitz und Brüchichtgraben (Wassereinzugsgebiet) in Verbindung stehen wird. Der Überlieferung nach hat Großluga ursprünglich weiter nördlich gestanden und wurde wegen starker Überschwemmungen später höher angesiedelt.

 

Nachweise darüber sind jedoch nicht vorhanden. Das Dorf gehörte anfangs den Burggrafen von Dohna, 1378 als "Lug major" zum castrum Dresden, 1445 wieder in die Pflege Dohna, 1547 zum Amt Dresden und ein Teil zum Amt Pirna und unterstand dann bis 1922 Pirna, als es durch die Vereinigung mit Niedersedlitz der Amtshauptmannschaft Dresden unterstellt wurde. 1408 belehnte der Kurfürst vier Dresdner Bürger, die Gebrüder Vincentius, Hans, Alexius und Jorge Busemann, mit Zinsen "zcum Luge", ab 1436 eine Familie Lange in Röhrsdorf mit Zinsen und Erbgerichten. 1501 hatte Heinrich von Staupitz zu Zehista zu "Lugk im dorffe 5 besessen mennere" und wird 1529 belehnt. Einen grundherrschaftlichen Anteil hatte aber auch das Amt Pirna, bis dieser im 17. Jhd. auch auf das Rittergut Zehista überging. Dies blieb dann so bis zur Ablösung der Fronden und der Patrimonialgerichtsbarkeit im 19. Jhd.

 

Das Dorf hatte 1501 acht besessene Mann, 1547 zehn besessene Mann und neunzehn Inwohner bei 8 1/2 Hufen, 1764 elf besessene Mann und einen Häusler, um 1790 zwölf, 1880 noch acht Bauerngüter. Die Einwohnerzahl stieg von 70 im Jahre 1834 auf 121 im Jahre 1871 und 150 im Jahre 1890. Sie unterschied sich also bis dahin nur wenig von der von Kleinluga. Es hatte jedoch mehr Güter und eine größere Flur. Im Jahre 1764 werden für Kleinluga 3 3/4 Hufen, für Großluga 8 1/2 Hufen angegeben, im Jahre 1900 für Kleinluga 45 Hektar, für Großluga 147 Hektar. Der Ort war nach Dohna gepfarrt, erst seit jüngster Zeit nach Lockwitz. Aus dem Jahre 1572 ist bekannt, dass Großluga von alters her das Recht besaß, Schneider und andere Handwerker in der Gemeinde ansässig werden zu lassen, "worn es durch die neu zu errichtende Schneiderinnung zu Dohna nicht gestört werden möchte".

Zu Anfang des 19. Jhd. bauten die Einwohner viel Obst, ein wenig Wein und Flachs an, und es wurde etwas Strohflechterei betrieben.

Der Dorfkern ist am Lugaer Platz erhalten, ein Rundweiler, in dem sich früher ein Teich befand. Die Gehöfte und Häuser, teils in Fachwerk, sind dicht aneinander gebaut. Einige erzählen auf Tafeln vom Baujahr, ihrem Erbauer und ihrem Schicksal. So ist an der Scheune des Gutshofes Dohnaer Straße 405 zu lesen, dass im Jahre 1866, "als der Krieg über Sachsen und seine Nachbarländer die Geisel schwang", im Mai "ein großer Teil der Feld- und Baumfrüchte durch Frost vernichtet wurde" und dass im gleichen Jahr die Scheune und die Hälfte des Wohnhauses "durch ruchlose Hand in Asche gelegt wurde". Ein Jahr später brannte das Seitengebäude durch Brandstiftung ab. Ein Jahr des Schreckens ist auch hier das Jahr 1813 gewesen, als Einwohner und Vieh unter Seuchen litten: Es starben 13 Personen, dazu 22 Pferde (von 29) und 87 Kühe (von 102).

 

In Richtung Gommern steht auf der linken Seite der Dohnaer Straße als vorletztes Haus vor dem Ortsausgangsschild von Dresden ein einstöckiges Haus mit Walmdach, 3 Fenster breit, aus Natursteinen: die im Jahre 1841 erbaute Schule, jetzt als Wohnhaus genutzt. Hier erhielten die Kinder von Groß- und Kleinluga, Gommern, Wölkau und Meucha Unterricht. Diese Orte bildeten einen Schulbezirk. Vorher waren die Kinder in verschiedenen Häusern von Gommern und Kleinluga unterrichtet worden, zuletzt befand sich das Schulzimmer im alten Gasthof von Großluga. 1896 baute Gommern eine eigene Schule und schied damit aus dem Schulverband aus, 1899 baute dieser an der Kleinlugaer Straße, etwas abseits Großluga, eine neue, größere Schule.

 

In Großluga setzte gegen Ende des 19. Jhd. eine rege Bautätigkeit ein, durch die sich der Ort gegen Nordwesten ausweitete. An der Ecke der jetzigen Dohnaer/Kleinlugaer Straße wurde 1896 ein großer Gasthof gebaut.

 

An der Dohnaer und Lugaer Straße entstanden freistehende Mietshäuser in der Art der südöstlichen Dresdner Vororte, u.a. auch das ehemalige Rathaus, das in seiner Wetterfahne die Jahreszahl 1898 trägt. Die Einwohnerzahl von Großluga (im Jahre 1890 150) stieg bis 1910 auf 691 (im Jahre 1919 632), bedingt durch die entstehende Industrie an der Bahnlinie Dresden-Pirna. Jenseits der Eisenbahnlinie Dresden-Pirna aus Großlugaer Flur wurde das Eisenwerk von Kelle und Hildebrandt errichtet, ebenfalls auf Großlugaer Flur das Hauptumspannwerk Dresden-Süd.

 

Nach dem Zusammenschluss von Groß- und Kleinluga im Jahre 1920 wurde Luga am 1. März 1922 mit Niedersedlitz vereinigt und mit diesem im Jahre 1950 nach Dresden eingemeindet.

 

Im Jahre 1953 schlossen sich siebzehn Bauern in der LPG "1. Mai" zusammen, die sich 1958 mit der Lockwitzer LPG vereinigte und nach Anschluss von Nickern im Jahre 1962 eine Großgenossenschaft bildete.